
Meine Mama erzählte immer mal wieder von DAHEIM.
Daheim war Niederlangenau (Dolní Lánov) im Riesengebirge, Sudetenland.
Sie sprach von dem Bauernhof, welcher der Familie gehörte, vom Kühe hüten, ihrem Pferd und ihrem kleinen Hund.
Sie erzählte von Arbeit, von den Cousinen die mit ihr spielten. Sie sprach von den gemeinsamen Mahlzeiten und dem Knecht, der locker mal 20 Pflaumenknödel vertilgte.
Meine Mama erzählte von den schönen Dingen, Schwimmen in der Elbe, Pilze sammeln und Heidelbeeren pflücken im Wald. Selten kramte sie Erinnerungen an den Krieg oder die Vertreibung heraus wie zum Beispiel, dass ihre Eltern das gute Geschirr und den Schmuck versteckt haben, unterm Misthaufen oder im Schweinestall – wo, das wusste Mama, glaub ich, nicht wirklich.
Mama war mit meiner Schwester noch einmal in ihrer Heimat, beim Hof, aber nach dem Schmuck hat sie die damaligen Hausbesitzer nicht gefragt.

Die jetzigen jungen Hausbesitzer fanden Ende 2024 Schmuck, vergraben in einem Topf, und begannen die Suche nach den Eigentümern des Schmuckes, welche das Haus in Niederlangenau bis 1945 besaßen – meine Großeltern und meine Mama.
Die Hausbesitzer wandten sich an Karolína Baková vom Infocentrum Lánov (Langenau), die mit dem Heimatkreis Hohenelbe/Riesengebirge e. V. in gutem Kontakt steht. Wie bei solchen Anfragen üblich, wurde von der Niederlangenauer Heimatortsbetreuerin Verena Schindler ein Suchauftrag veranlasst, und zwar wurde er auf verschiedenen Kanälen, so auch auf der Facebookseite des Heimatkreises, veröffentlicht.
Diesen Facebookaufruf las eine entfernte Verwandte meiner Mama, die noch weiß wie der Name meiner Mama nach der Hochzeit lautete und wann sie wo verstarb. Sie meldete sich beim Heimatkreis und landete bei dessen Pressereferentin Kirsten Langenwalder, welche aufgrund der übermittelten Angaben, welche von ihr abgeglichen wurden, über die Todesanzeige aus dem Jahr 2017 alle notwendigen Daten herausfinden konnte. Daraufhin erfolgte ein Anruf beim Wasserburger Pfarramt bei Frau Witzigmann, in welchem Kirsten Langenwalder darum bat, den Aufruf an die Nachkommen weiterzuleiten. So konnte der Kontakt hergestellt werden. Dies passierte fast genau zum 99. Geburtstag meiner Mama.

Kirsten Langenwalder reiste im August 2026 ins Riesengebirge und brachte wie vereinbart den Schmuck nach Deutschland.
Am 25. Oktober 2026 übergab mir Kirsten Langenwalder den Schmuck meiner Familie im Riesengebirgsmuseum in Marktoberdorf – ein für alle Seiten emotionaler Moment!
Wir sind mit den jungen Hausbesitzern in Niederlangenau in Kontakt und wollen uns dort persönlich bedanken.
Wir fahren in die Heimat meiner Mama um uns zu bedanken!
Meine Heimat ist am Bodensee!
Beate B.-M.
(redaktionell bearbeitet)

