Am Freitag, 9. Oktober 2026, 20:15 Uhr, wurde bei ARTE die Verfilmung von Kateřina Tučkovás Roman „Gerta. Das deutsche Mädchen“ unter dem Filmtitel „Gerta und die Welt im Abgrund“ in zwei Teilen gezeigt. Auf Teil 1 folgte im Anschluss Teil 2 um 21:40 Uhr.
Seit Freitag, 2. Oktober 2026, sind die beiden Teile in der ARTE-Mediathek abrufbar – verfügbar bis 06.01.2027.
Die beiden Teile sind untertitelt, und zwar sind in der deutschen Fassung die tschechischen Sätze untertitelt. So werde deutlich, dass Gertas Familie zweisprachig war, erklärte Barbara Häbe von ARTE bei der Filmpremiere in München. Nachdem es sich bei ARTE um eine deutsch-französische Sender-Kooperation handelt, wird die Verfilmung auch in Frankreich (synchronisiert) ausgestrahlt. Das Thema Vertreibung der Sudetendeutschen werde so auch in Frankreich publik gemacht, nachdem das Thema Sudetenland und Vertreibung in Frankreich eher unbekannt seien, so Häbe.

Kateřina Tučkovás Roman erschien 2009 in der Tschechischen Republik unter dem Titel „Vyhnání Gerty Schnirch“ („Die Vertreibung von Gerta Schnirch“) und im Jahr 2018 unter „Gerta. Das deutsche Mädchen“ in Deutschland. Der in weitere Sprachen übersetzte Bestseller inspirierte die tschechische Initiative Meeting Brno zur Organisation des „Brünner Versöhnungsmarsches“ („Pouť smíření“), der seit dem Jahr 2015 in seiner jetzigen Form stattfindet. Tučková war Mitbegründerin und erste Präsidentin von Meeting Brno.

„Der Roman ‚Gerta. Das deutsche Mädchen‘ nimmt seinen Ausgangspunkt Ende der 1930er-Jahre, als im Zuge des Münchner Abkommens die souveräne Tschechoslowakei zum Nazi-Protektorat Böhmen und Mähren erklärt wird. Nach Kriegsende folgt die Rache: Die Beneš-Dekrete beenden das jahrhundertelange Zusammenleben von Deutschen und Tschechen innerhalb weniger Monate. Drei Millionen Menschen müssen 1945/46 ihre Heimat verlassen – verjagt und ohne Anspruch auf Entschädigung.
Der Hass vieler Tschechen gegen die deutschsprachige Bevölkerung entlädt sich in Gewaltexzessen wie beim Brünner Todesmarsch, bei dem mehr als 20.000 Menschen – überwiegend Frauen, Kinder, alte und kranke Menschen – zu Fuß Richtung Österreich getrieben werden. Hunderte werden ermordet oder sterben an Entkräftung.
Lange Zeit wurden solche Kapitel der deutsch-tschechischen Geschichte tabuisiert. Schon mit dem Originaltitel ihres Romans ‚Die Vertreibung von Gerta Schnirch‘ bezieht die 1980 geborene Tučková Stellung, indem sie einen Begriff wählt, der jahrzehntelang verpönt war. Zuvor war offiziell von ‚Abschiebung‘ die Rede.“ (Deutschlandfunk Kultur)
Am Donnerstag, 24. September 2026 war Kateřina Tučková im Münchner Literaturhaus zur ARTE-Filmpremiere zu Gast.
(auf den Fotos 1 und 3 jeweils die 2. v. li.)



– kirla –
