Česká verze bude následovat.
Nachdem die Bürgerinitiative Meeting Brno* beim Sudetendeutschen Tag 2025 in Regensburg die Einladung zur Ausrichtung des Sudetendeutschen Tages in der mährischen Hauptstadt Brünn (Brno) aussprach, werden die Wellen, die die Veranstaltung im Austragungsland schlägt, immer höher.

Es war zu erwarten, dass die Austragung des Sudetendeutschen Tages erstmals in dessen Geschichte auf dem Boden der Tschechischen Republik nicht uneingeschränkt auf Gegenliebe stoßen wird. Mittlerweile stellt sich nach einer Abstimmung am 14.05.2026 das tschechische Abgeordnetenhaus mit den Stimmen der rechten Regierungsparteien – die Opposition blieb der Abstimmung ebenso fern wie Ministerpräsident Andrej Babiš und die meisten Minister – entschieden gegen die Austragung des Sudetendeutschen Tages in Brünn. Dies ist zwar rechtlich nicht bindend, hat jedoch einen hohen politischen Symbolwert.
Meeting Brno nennt den Beschluss des Abgeordnetenhauses gegen Sudetendeutschen Tag einen Ausdruck der Schwäche.
Indes erfahren die Sudetendeutschen von einem Teil der tschechischen Zivilgesellschaft große Solidarität. Dies ist nicht nur in sozialen Netzwerken zu verfolgen.
So wurde u. a. die Petition „Sie sind hier jederzeit willkommen“ gestartet, die am 15.05.2026 nachmittags bereits ca. 6.500 Mal unterschrieben wurde – den Heimatkreis Hohenelbe erreichte am 15.05.2026 ein offener Brief der Gemeinde der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder in Vrchlabí, dessen Wortlaut wir hier wiedergeben (er ist als Datei hier verfügbar, unter „Novinky ze života sboru“ ist er auf der Gemeinde-Internetseite in Deutsch und Tschechisch ebenfalls zu finden):
An den
Heimatkreis Hohenelbe/Riesengebirge e. V.
Riesengebirgsmuseum
Eberle-Kögl-Straße 11
87616 Marktoberdorf
Vrchlabí, 15. 5. 2026
Liebe Freunde aus dem Heimatkreis Hohenelbe/Riesengebirge e. V.,
wir grüßen Sie aus der Gemeinde der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder in Vrchlabí (Hohenelbe) anlässlich des Sudetendeutschen Tages, der in diesem Mai in Brünn stattfindet, mit einem offenen Brief. Wir treffen uns in unserem Pfarrhaus, das vor mehr als hundert Jahren von unseren deutschsprachigen Schwestern und Brüdern erbaut wurde. Nach dem Krieg wurden sie gezwungen, dieses Haus zu verlassen. Wir bemühen uns, dieses Erbe gut zu bewahren und unserer Vorfahren mit Dankbarkeit zu gedenken. Dabei sind wir uns bewusst, dass wir zum selben Jesus Christus beten.
Wir leben in einer Stadt, in der über Jahrhunderte hinweg Tschechen, Deutsche und auch Juden zusammenlebten. In einer Stadt, deren Bewohner die Schrecken des Zweiten Weltkriegs erlebt, mitverursacht und erlitten haben. In einer Stadt, in der Nachbar gegen Nachbar stand. In einer Stadt, aus der später die tschechischen Bewohner die deutschen Bewohner vertrieben und die jüdischen Bewohner aus dem Gedächtnis verdrängt wurden.
Wir sind uns der vielfältigen Schuld bewusst, die unsere tschechischen und deutschen Vorfahren einander zugefügt haben. Und als Christen bekennen wir, dass unsere Vorfahren sich vieler Sünden schuldig gemacht (wie auch wir). Unsere Aufgabe ist es, Wege zu suchen, damit sich diese Sünden nicht wiederholen, und Wege der Versöhnung zu finden, die Grenzen überschreitet.
Es beunruhigt uns Hass und Ablehnung, mit denen manche unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger sowie einige politische Vertreter auf das Treffen der Sudetendeutschen in Brünn reagieren. Wir halten dieses Treffen für einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Aufarbeitung der historischen Schuld und zur Versöhnung.
Wir möchten Ihnen sagen: Sie sind bei uns immer herzlich willkommen!
Für das Presbyterium der Gemeinde der EKBB in Vrchlabí
Dr. theol. Michael Pfann
Pfarrer
Mgr. Jakub Kašpar
Kurator
Der Heimatkreis Hohenelbe bedankt sich sehr für die Solidaritätsbekundung!
Zusammen mit der evangelischen Gemeinde in Vrchlabí organisiert die Nachwuchsorganisation des Heimatkreises seit dem Jahr 2025 jährlich Gedenktreffen.
Der Heimatkreis Hohenelbe wird beim Sudetendeutschen Tag 2026 wie geplant mit den Nachbarheimatkreisen Braunau/Sudetenland und Trautenau sowie dem Riesengebirgsmuseum Vrchlabí und dem Begegnungszentraum Trutnov am großen grenzübergreifenden Gemeinschaftsstand zu finden sein.
Das Riesengebirgsmuseum Vrchlabí ist dieses Jahr neu bei uns dabei.
Unsere Standnummern sind A02 (Heimatkreis Hohenelbe) bis A06.

*“Meeting Brno“ organisiert seit 2015 den „Brünner Versöhnungsmarsch“ zum Gedenken an den Todesmarsch, bei dem am 31. Mai 1945 mehr als 27.000 deutschsprachige Bürgerinnen und Bürger aus Brünn vertrieben wurden und viele dabei ums Leben kamen. Die Zahl der Opfer ist unklar, als gesichert gelten ca. 2.000 Personen.

Česká verze bude následovat.
– kirla –
