Das Riesengebirge: Vertreibung, Abdruck der „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ und das Riesengebirgslied

Diese Karte zeigt, aus welchen Regionen deutsche Flüchtlinge und Heimatvertriebene stammten und wo sie schließlich ankamen:

Quelle: Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg

Abdruck der Charta der deutschen Heimatvertriebenen:

Quelle: Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg

Das Riesengebirgslied, auch „Riesengebirglers Heimatlied“ – die Hymne der Riesengebirgler

Das unter Riesengebirglern allseits bekannte Riesengebirgslied „Blaue Berge, grüne Täler“ dichtete der aus Altenbuch bei Trautenau stammende Lehrer Othmar Fiebiger ursprünglich im Dialekt während eines Aufenthaltes auf der Peterbaude im Jahr 1911. Diese erste Version lautete folgendermaßen:

„Bloe Barche, grüne Täler,
mitta drin a Heisla kleen;
herrlich is dos Stückla Erde,
und ich bin ja dort drheem
O mein liebes Riesageberche,
wu die Elbe so heimlich rinnt,
wu der Rübezohl mit seinen Zwergen
heut´ noch Sagen und Märchen spinnt.
Riesageberche, Riesageberche,
meine liebe Heimat du!“

Bis 1914 erweiterte Fiebiger den Text auf vier Strophen.

Die Historie des Riesengebirgslieds

Nachdem diese Dialektdichtung in der Festschrift des Trautenauer Gesangsvereins „Harmonie“ zu dessen Jubiläum erstmals in gedruckter Form erschien, vertonte Vinzenz Hampel, ebenfalls Lehrer aus Mastig bei Arnau den Text für den Gesangsverein „Liedertafel“ in Hohenelbe, dessen Chormeister er war. Hampel sang die Weise erstmalig im März 1915 in der Wosseckerbaude.

Eine hochdeutsche Fassung gibt es seit dem Jahr 1920, nachdem die heimatliche Weise immer erfolgreicher wurde.
Im gleichen Jahr noch wurde in der damaligen Tschechoslowakei die öffentliche Aufführung untersagt, nachdem es im Refrain hieß „Riesengebirge, deutsches Gebirge“. So wurde die Weise immer wieder angepasst von „Riesengebirge, Riesengebirge“ bis hin zu „Riesengebirge, Märchengebirge“.

Spätestens nach der Vertreibung der Riesengebirgler entwickelte sich die heimatliche Weise zur Hymne der ehemaligen Bewohner. Dies bis zum Mauerfall 1989 allerdings nur in Westdeutschland, da es in der ehemaligen DDR verboten war.

Mittlerweile gibt es im Rahmen des 2022 erschienenen Films „Poslední Zavod“ („Letztes Rennen“), der von der Tragödie auf der Goldhöhe erzählt, eine tschechischsprachige Version – in der Tschechischen Republik beschäftigt man sich die letzten Jahre mehr und mehr und mit der gemeinsamen tragischen Geschichte unser Völker.

Verbindendes Lied

Vinzenz Hampel selbst schreibt in „Die Geschichte des Riesengebirgslieds„:
„Es verband die Menschen innig mit dem Boden und schlug auch eine Brücke zu den stammverwandten Schlesiern jenseits der Berge.“

Dies ist auch heutzutage noch so; kommen Riesengebirgler bei Treffen zusammen, bedeutet es immer einen Gänsehautmoment, das Riesengebirgslied miteinander zu singen.

Othmar Fiebiger lebte nach der Vertreibung u. a. in Bensheim, der Paten- und Partnerstadt von Arnau.

Weitere Informationen zum Riesengebirgslied finden sich bei Wikipedia sowie im Volksliederarchiv.

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