Kultureller Förderpreis für ein junges Mitglied unseres Heimatkreises

Jan Vrána während seiner Präsentation

„Ich gehöre zur letzten Generation, die die Möglichkeit hat, Menschen, die die Vertreibung erlebt haben, persönlich kennenzulernen, um mich mit ihnen auszutauschen. Daher bin ich Mitglied im Heimatkreis Hohenelbe und habe auch schon Mitglieder kennen lernen dürfen.“, erläutert Jan Vrána während seiner Präsentation, welche er am 28. Januar 2023 im Adalbert-Stifter-Saal des Sudetendeutschen Hauses in München anlässlich der Verleihung des kulturellen Sudetendeutschen Förderpreises hält.

Jan – üblicherweise wird er Honza genannt – wird 2003 in der Tschechischen Republik in Jungbunzlau (Mladá Boleslav) geboren und interessiert sich trotz seines jugendlichen Alters schon einige Zeit für die sudetendeutsche Geschichte des Riesengebirges. Er steht exemplarisch für diejenigen der tschechischen Nachfolgegenerationen, die sich damit beschäftigen, was in ihrem Land in der Vergangenheit passiert ist und die sich mit der Historie differenziert auseinandersetzen.

Frühes Interesse

Jans Interesse wird früh geweckt:
In seiner Kindheit hört er von seinem Großvater, dass das ca. 300 Jahre alte Haus in Rochlitz an der Iser, welches von Jans Urgroßvater Ende der 1940er Jahre gekauft wurde und von der Familie als Wochenendhaus genutzt wird, von Deutschen erbaut wurde. Sein Großvater macht ihn zudem immer wieder auf Gegenstände aufmerksam, welche von Deutschen stammen. So wird der junge Jan schon früh neugierig.

Seit einigen Jahren kann man diesen jungen Burschen nun schon beobachten und bemerkt erstaunt wie herausragend sein Interesse sowie sein Tun im Zusammenhang mit der Geschichte des Riesengebirges ist.

Zwei Sätze von ihm bleiben besonders in Erinnerung:
„Ich hasse Edvard Beneš, das war die schlimmste Politik die wir je hatten, aber das ist Historie, wir müssen über unsere gemeinsame Zukunft reden.“, formuliert vom damals erst 16jährigen Jan sowie folgender Satz, an welchem man erkennt, dass ihn die Schicksale der früheren sudetendeutschen Bewohner seines Heimatlands sehr beschäftigen: „Wenn ich von den Lebensschicksalen unserer ehemaligen Nachbarn lese und höre, erinnere ich mich immer an die letzte traurige Strophe im Riesengebirgslied.“

Präsentation bietet Einblick in das Tun des Preisträgers

Durch seine Präsentation erfährt man, dass sich seine Familie – mittlerweile unterstützt durch Jan Vrána – bereits seit Jahrzehnten dafür einsetzt, dass das Haus in Rochlitz entsprechend der alten Traditionen erhalten bleibt, auch damit das Vermächtnis der ehemaligen Bewohner bewahrt bleibt.
Kritisch zeigt er Luftaufnahmen, die verdeutlichen, wie sehr sich die Landschaft seit der Vertreibung der sudetendeutschen Bewohner verändert hat. Man sieht außerdem Fotos, u. a. mit Gegenständen vom Innern des Hauses, wozu er anmerkt, dass ihn jene Gegenstände regelmäßig an die gemeinsame traurige deutsch-tschechische Geschichte erinnern.

Die tschechische Bevölkerung müsse dafür sensibilisiert werden, dass die Geschichte der jeweiligen Orte nicht erst nach 1945 beginne, merkt Jan Vrána kritisch an. „Immerhin hatte der Berg auf dem Kamm hinter unserem Haus viel länger einen deutschen Namen als einen tschechischen.“, liest man auf einer seiner Folien.

Auch von seiner Abiturarbeit, welche der Bergbaugeschichte der Stadt Rochlitz einschließlich der dort noch vorhandenen deutschen Spuren gewidmet ist, gibt es Kostproben zu sehen.

„Es war mir eine Ehre, am Sudetendeutschen Tag in Hof teilzunehmen“, erklärt Jan im weiteren Verlauf seiner Präsentation. Seine Teilnahme ist bemerkenswert, denn auch sein Geburtstag am 2. Juni hält ihn nicht davon ab, am 3. Juni zeitig nach Hof zu fahren, um aktiv am Sudetendeutschen Tag teilzunehmen und den Riesengebirgler-Informationsstand tatkräftig zu unterstützen. Dies ist ihm wichtiger als zu Hause seinen Geburtstag ausgiebig zu feiern.

Bewegender Moment während der Feierstunde

Im allgemeinen Teil der Sudetendeutschen Zeitung vom 03.02.2023 ist zur Preisverleihung zu lesen, dass Jan Vrána zum Publikumsliebling der Feierstunde wurde. Dies geschieht wohl spätestens zum Ende seiner Präsentation, als er die Anwesenden sichtlich bewegt, indem er eine sehr berührende Strophe des Riesengebirgsliedes singt, nämlich „Und kommt’s einstens zum Begraben, mögt ihr euren Willen tun…“.
Als die ersten Töne erklingen, stimmen sogleich einige Personen mit ein, man singt also gemeinsam einen Teil des Riesengebirgslieds.
„Diese Strophe ist für mich sowohl ein Symbol als auch eine Lehre, die Verbrechen des letzten Jahrhunderts niemals zu wiederholen.“, beendet Jan Vrána seine Präsentation.
Dass er den Mut aufbringt, das für alle Riesengebirgler sehr bedeutende Heimatlied anzustimmen, ist erwähnenswert. Jan Vrána erklärt stets, es sei besser, wenn er nicht singe. Dennoch vor den vielen Gästen zu singen zeigt einmal mehr wie sehr ihn das Thema „Altes Riesengebirge“ bewegt.

Das Riesengebirgslied liegt ihm allerdings besonders am Herzen: Bereits im Januar 2021 veröffentlicht er ein kleines Video auf der Plattform „YouTube“. Man sieht dort seine eigenen Riesengebirgsfotografien, man hört das Riesengebirgslied.
Dazu befragt erklärt er, er verstehe ca. 60 % des Textes, den „Spirit“ jedoch zu 100 %. Dass er als sehr junger Tscheche unser Heimatlied überhaupt kennt und noch dazu veröffentlicht, ist jedoch überraschend. Das Lied begleite ihn bereits seit einigen Jahren und sei für ihn u. a. „ein Symbol für die Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten“, erklärt er schon zu Beginn seiner Präsentation.

Man kann optimistisch in die Zukunft blicken

Mittlerweile sind bedingt durch Jans Interesse einige interessante Kontakte geknüpft worden. So ist ein kleines deutsch-tschechisches Netzwerk entstanden. Alle diese Kontakte haben eines gemeinsam:
Man ist am freundschaftlichen grenzübergreifenden Miteinander, an der gemeinsamen Zukunftsarbeit und am Erhalt der Kultur interessiert.

v. l. n. r.: Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe
Dr. Bernd Posselt, Förderpreisträger Jan Vrána, Laudatorin Kirsten Langenwalder, Bundeskulturreferent der Sudetendeutschen Landsmannschaft
Prof. Dr. Ulf Broßmann

Mit dem Förderpreis werden junge, maximal 35 Jahre alte Personen ausgezeichnet, welche entweder sudetendeutsche Wurzeln oder einen Beitrag mit sudetendeutschem Bezug geleistet haben und künftig außergewöhnliche Leistungen erhoffen lassen: So erhält Jan Vrána als Zeichen der Anerkennung und Würdigung seiner völkerverständigenden Kulturarbeit den kulturellen Förderpreisfür für die Sudetendeutsche Heimat- und Volkstumspflege 2022.

Es werden an jenem Tag noch weitere Förderpreise vergeben, und zwar nochmals einen für die Heimat- und Volkstumspflege sowie in den Sparten bildende Kunst und Architektur, darstellende und ausübende Kunst, Musik sowie Wissenschaft. Letzterer Förderpreis wird ebenfalls an einen jungen Mann aus der Tschechischen Republik verliehen. Jener junge Tscheche beschäftigt sich gleichermaßen schon sehr lange mit der gemeinsamen deutsch-tschechischen Geschichte und veröffentlichte schon früh Bücher zu dem Thema.

Dass man angesichts dieser jungen Menschen optimistisch in die Zukunft blicken kann, merkt der ergriffene Dr. Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, in seinem Schlusswort an.

Gruppenbild der Förderpreisträger 2022:
Dr. Ortfried Kotzian, Vorsitzender Sudetendeutsche Stiftung, und Dr. Bernd Posselt,

Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, umrahmt von den Förderpreisträgern,
rechts im Bild Prof. Dr. Broßmann, Bundeskulturreferent der Sudetendeutschen Landsmannschaft

– kirla –

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