Rochlitz klingt – Rokytnice zní

Kulturwochenende in Rochlitz an der Iser

Am Wochenende 19. bis 22. August 2022 fanden interessante musikalisch-literarische Tage unter dem Motto „Rokytnice zní“ („Rochlitz klingt“) in Rochlitz an der Iser statt. Ein Veranstaltungsort war dabei die Rochlitzer Pfarrkirche St. Michael.

Die Rochlitzer Kirche St. Michael

Fulminanter Auftakt der musikalisch-literarischen Tage am Freitagabend, 19. August 2022: „Die Feier der Musik“

Es herrschte eine feierliche Stimmung an jenem Freitagabend im August 2022 als das „Barlen-Ensemble“ in die Rochlitzer Pfarrkirche St. Michael zur „Feier der Musik“ lud. Initiiert von den Gründerinnen des Barlen-Ensembles, der mittlerweile in Deutschland lebenden Bratschistin Barbora Linke-Holická sowie der Geigerin Lenka Machová (Geigerin in der Tschechischen Philharmonie), kamen Musizierende aus Deutschland und der Tschechischen Republik zusammen, um Werke von Komponisten beider Länder darzubieten.

Das Publikum in der vollbesetzten Kirche lauschte begeistert den Kompositionen von Jan Václav Stamic, Erwin Schulhoff, Antonín Dvořák, Johann Sebastian Bach sowie Wolfgang Amadeus Mozart.

Übersetzt man die tschechischsprachige Internetseite des Barlen-Ensemble, liest man:
„Natur und Kunst sind untrennbar miteinander verbunden. Und deshalb gehört die Musik nach Rochlitz, zwischen die Berge, zwischen Wiesen und Wälder, in die schönen Räume der Kirche St. Michael und die Umgebung.“
Das spürte man bei der hochprofesionellen Darbietung.

Den beiden Musikerinnen, die persönlich viel mit Rochlitz zu tun haben, liegt sehr am Herzen, dass in Rochlitz an der Iser das Musikleben wieder eine Zukunft hat.
So wurde das Ensemble gegründet, um mehr klassische Musik und Kunst nach Rochlitz zu bringen sowie in der Historie nach Künstlern zu suchen. Ein besonderes Anliegen ist es dabei, die deutsch-tschechische Verständigung durch Kunst, Musik, Literatur sowie Theater anzukurbeln, zumal in Rochlitz Sport und Tourismus im Vordergrund stehen.
So wurde der „Verein zur Erneuerung des Musiklebens in Rochlitz an der Iser e. V.“ gegründet.
Der Verein vereint Musiker und Musikliebhaber aus nah und fern, die sich in irgendeiner Weise an zukünftig immer reger werdenden Veranstaltungen von Live-Musik und -Kunst in Rochlitz und in der Region beteiligen möchten.

Die Rochlitzer Kirche St. Michael bei Nacht.
Abschlussbild mit allen Musizierenden


Musikalisch-literarischer Abend zum 100. Geburtstag von Franz Fühmann: „Wie weit reicht das Erinnern?“

Am Sonntagabend fanden sich Interessierte verschiedener Altersgruppen im Rochlitzer Kulturhaus zusammen. Jener Abend war Franz Fühmann gewidmet, der am 15. Januar 1922 als Sohn des Apothekers Josef Rudolf Fühmann geboren wurde.
(Bild: Die ehemalige „Rübezahl-Apotheke“ in Oberrochlitz, das Elternhaus von Franz Fühmann; Aufnahme vom Februar 2022)

„Ich finde, die Persönlichkeit Fühmanns, seine Essays und seine Bücher, Gedanken und seine Briefe, geben ein tolles Zeugnis von Zerrissenheit und vor allem von der Suche nach Authentizität, Wahrhaftigkeit und Heimat in sich selbst.
Deswegen möchten wir an diesen Künstler, der aus Rochlitz stammt, nun gedenken und uns mit seinen Texten etwas auseinandersetzen.
Wir werden Texte mit Musik kombinieren und so einen Raum für Gedanken und Nachsinnen schaffen.“, so Barbara Linke-Holicka als sie bezüglich der musikalisch-literarischen Tage Kontakt mit dem Heimatkreis Hohenelbe/Riesengebirge e. V. aufnahm.

Einführung durch Tomáš Petráň

Zu Beginn des Abends fand eine Einführung zu Franz Fühmann statt, moderiert von niemand Geringerem als Tomáš Petráň – ehemaliger Dekan der Filmakademie in Prag, Filmemacher, Kameramann -, welcher zurzeit in Rochlitz lebt.
Im Bild zu sehen Barbara Linke-Holicka mit Tomáš Petráň

Die anschließende Lesung aus Fühmanns Erzählung „Das Judenauto“ wurde musikalisch umrahmt von Barbara Linke-Holicka, Bratsche, Lenka Machova, Geige, sowie Hana Baborakova-Shabuova, Cello, vom Baborak-Ensemble.


Die Lesung durch Martin Polách, Schauspieler aus dem Theater F. X. Šaldy in Reichenberg, war äußerst dynamisch und kurzweilig und auch für jemanden, der der tschechischen Sprache nicht mächtig ist, ein Genuss.

Es war eine sehr stimmige Veranstaltung. Auch wenn der Abend ausschließlich in tschechischer Sprache gehalten wurde, war er doch sehr interessant, weil man spürte, dass die Musik sehr gut auf die Lesung abgestimmt war.

Von links nach rechts:
Moderator Tomáš Petráň, Geigerin Lenka Machova, Bratschistin Barbara Linke-Holicka,
Cellistin Hana Baborakova-Shabuova, Schauspieler Martin Polách

„Rochlitz klingt“ auch in Gablonz und Aussig

Ein Teil des Kultur-Festivals wurde im Haus Reinowitz (Haus der Deutsch-Tschechischen Verständigung) in Gablonz an der Neiße wiederholt sowie in Aussig durch das Collegium Bohemicum im Rahmen der Deutsch-Tschechischen Kulturtage, welche bis Mitte Oktober 2022 stattfanden.
Die Schirmherrschaft der Veranstaltungen übernahm der Tschechische Botschafter in Deutschland, Tomáš Kafka.

In eigener Sache noch ein Nachtrag:
Aus Anlass der musikalisch-kulturellen Tage in Rochlitz traf ich mich mit Werner Biemann, 1942 in Oberrochlitz geboren, Enkel des letzten Kommandanten der Rochlitzer Feuerwehr. Wir besuchten u. a. den in Oberrochlitz gebliebenen Günter Braun und stellten fest, dass es schön wäre, wenn sich andere Rochlitzer Nachkommen mit uns in Rochlitz treffen würden, zumal die letzten Jahre keine Treffen mehr stattfanden.
Wer Interesse hat, melde sich bitte unter: info@hohenelbe.de
Werner Biemann und ich freuen uns!

– Kirsten Langenwalder, Pressereferentin im Heimatkreis, Rochlitzer Nachkommin –

Top